HÖHENRAUSCH 2015


Wenn Sich der Himmel über Linz heuer zum fünften Höhenrausch öffnet, stehen Vögel im Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung. Als faszinierende Wesen zwischen Himmel und Erde sind sie seit jeher Projektionsfläche für Träume und Fantasien.

Internationale KünstlerInnen wurden eingeladen, sich forschend dem vielschichtigen Thema zu nähern - von Flugsimulation über Vogelstimmen bis zur Verhaltensforschung reicht das Spektrum.

KünsterInnen:


Henrik Håkansson / SE

Von hier in die Ewigkeit (phoenicurus phoenicurus). Die Windkanal-Sessions, 2004

Der Vogelflug ist der Ausgangspunkt eines Forschungsprojekts von Henrik Håkansson. Er überführt eine wissenschaftliche Versuchsanordnung in eine künstlerische Audioinstallation – eine dem Windkanal angelehnte Skulptur. Gemeinsam mit Forschern der Universität von Lund (SE) wurde u. a. der Flug des Gartenrotschwanzes (Phoenicurus phoenicurus) in einem Windkanal untersucht. Die begleitenden Filme zeigen die Ästhetik des Flugs in extremer Verlangsamung. Wie in vielen seiner Arbeiten operiert Håkansson auch hier an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und übersetzt naturwissenschaftliche Experimente mittels hoch entwickelter technischer Medien. Seine komplexen Filme, Audioinstallationen und nachgebauten Experimentalanordnungen schaffen eine künstlerische Form der Naturbeobachtung, welche die heutige Distanz zu Naturerscheinungen widerspiegelt.

http://henrikhakansson.com


Gregor Graf / AT
Katharina Lackner / AT

Tschieep Tschieep, 2015

Tschieep Tschieep ist eine Einladung an die BesucherInnen des Höhenrausch, gemeinsam einen Vogelschwarm entstehen zu lassen. Haftnotizen in Form von Vögeln in unterschiedlichen Blautönen tragen Sätze, die das Thema Schwarm spielerisch sowie gesellschaftspolitisch aufnehmen.
Die Notizblätter können mit eigenen Statements vervollständigt und im Ausstellungsraum verteilt werden. Durch diese Interaktion entsteht im OK und in der Energie AG (als Außenstelle des Höhenrausch) über den Ausstellungszeitraum ein sich ständig verändernder Vogelschwarm. Katharina Lackner und Gregor Graf arbeiten seit 2001 immer wieder in Ausstellungen und Kunst-am-Bau- Projekten zusammen.

www.gregorgraf.net
www.kathilackner.net


Fernando Ortega / MX

In tiefen Schlaf versetzter Kolibri, 2006

Fernando Ortega verschafft uns die Gelegenheit, dem sonst so rastlosen Kolibri eine Stunde lang beim Schlafen zuzusehen.

In den Werken Fernando Ortegas wird bislang Unbemerktes bedeutungsvoll und Alltägliches bemerkenswert. Der Künstler spielt mit scheinbaren Widersprüchen und versucht – oft mit großem Aufwand – das Besondere im Unspektakulären sichtbar zu machen. Der Kolibri ist allgemein für seinen imposanten Schwirrflug mit 40 bis 50 Flügelschlägen in der Sekunde bekannt. In der Videoarbeit Colibri inducido a sueno profundo sitzt er nun auf einem Ast und schlaft – unbeirrt von Lärm und hektischem Treiben um ihn herum. Es ist eine denkbar unaufgeregte Szene, die aber gerade durch ihre stille Poesie bezaubert.


Markus Coates / UK

Morgendlicher Chor, 2007

Marcus Coates beschäftigt sich in seinen Filmen, Performances und Skulpturen mit den speziellen Eigenschaften von Tieren und versucht so, mehr über die Natur von uns Menschen zu erfahren. Bei Dawn Chorus gelingt ihm dies, indem er ein morgendliches Vogelkonzert von AmateursängerInnen in deren „natürlichem Lebensraum“ nachstellen lässt. Um den im nordenglischen Northumberland aufgenommenen Vogelgesang mit der menschlichen Stimme möglichst gut nachahmen zu können, wurden die Aufzeichnungen zuerst extrem verlangsamt. Die gefilmten Resultate der VogelinterpretInnen wurden danach erneut auf Originalgeschwindigkeit beschleunigt, was dazu führt, dass nicht nur der Gesang, sondern auch ihre Bewegungen erstaunliche Ähnlichkeit mit jenen der Vogel bekommen. Mit seinem Projekt thematisiert Coates die zunehmend verlorengehende Verbindung zwischen der alltäglichen Welt des Menschen und der Natur.


Dennis Hlynsky / US

Flügel 24643997

Wings 24643997 ist eine neun Sekunden lange Aufnahme eines Starenschwarms, der auf Stromleitungen landet. Der Titel bezieht sich auf den von der Kamera automatisch vergebenen Dateinamen.
Dennis Hlynsky arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und setzt sich bereits seit den 1970er-Jahren intensiv mit dem Medium Video und seinen technischen Möglichkeiten auseinander. In diesem Fall wurde das Video mit einer High-Speed-Kamera mit 600 Bildern pro Sekunde aufgenommen. Hlynsky bearbeitete die Aufnahme, um die Bewegung der Flügel der Stare, ihre Flugbahn und den persönlichen Raum der Vogel hervorzuheben. Seine künstlerischen Studien zum Flugverhalten von Vögeln sind auch für die Forschung von Interesse.

Dennis Hlynsky on Vimo


Koen Vanmechelen / BE

Neue Brut – C.C.P Aus der Serie internationales Hühner-Projekt, 2005 / 2015

Wie eine Brutstation für eine kommende, 19. Generation des Cosmopolitan Chicken Project (CCP) wirkt die räumliche Inszenierung New Brood im OK. Die tausenden unter wärmendem Rotlicht ruhenden und von Ventilatoren sanft bewegten Hühnereier die wie Schuppen eines Reptils (dem genetischen Vorläufer des Huhns) anmuten, stehen für das Potenzial ungeborenen Lebens und das komplexe Verhältnis von Natur, Evolution und menschlicher Einflussnahme.

Koen Vanmechelen verbindet Kunst, Wissenschaft und Ästhetik. Für seine Untersuchungen über das Wesen des Menschen verwendet er eines der ältesten Nutz- und Zuchttiere als Metapher: das Huhn. Sein viel beachtetes Projekt CCP zielt darauf ab, ein Hybrid-Huhn zu züchten, das Genmaterial von den über 150 verschiedenen Arten weltweit in sich tragt – ein gewaltiges Projekt, das biokulturelle Diversität und Identität thematisiert. An seinem Beginn stand vor über 20 Jahren die Kreuzung eines belgischen Hahns und eines französischen Huhns. Mit dem „Mechelse Sulmtaler“ geht das CCP nun bereits in die 18. Generation.

www.koenvanmechelen.com


alien productions / AT

metamusic, 2013-2015

In einer speziell für den Höhenrausch konstruierten Voliere lebt für die gesamte Ausstellungsdauer eine Gruppe von etwa 20 Graupapageien, die sich spielerisch und freiwillig mit diversen mechanischen und elektronischen Instrumenten und Klangerzeugern beschäftigen.

metamusic ist ein Projekt des KünstlerInnenkollektivs alien productions (Martin Breindl, Norbert Math und Andrea Sodomka) mit einer und fur eine Gruppe von Afrikanischen Graupapageien. Schon seit vielen Jahren erforschen die KünstlerInnen – unter strengster Einhaltung der Tierschutzbestimmungen und in enger Zusammenarbeit mit ZoologInnen und BiologInnen der ARGE Papageienschutz –, wie die Vögel auf akustische Reize reagieren und daraufhin selbst aktiv Klange produzieren. Die Papageien kooperieren dabei auf freiwilliger Basis. Wahrend der Ausstellung arbeiten und musizieren die KünstlerInnen mit ihren gefiederten Partnern. Die BesucherInnen sind eingeladen, diesem Ereignis als Zaungaste beizuwohnen.

Konzertreihe der KünstlerInnen von alien productions und Gasten: Matinee jeweils um 9:00 Uhr am Sonntag 12. Juli, 02. August, 06. September und 11. Oktober 2015


Vogelkino

Luftige Landschaft, 2015

Ein akustisches „Vogelkino“, das die leisen, unbemerkten Geräusche der Vögel akustisch hörbar macht und damit unsere gewohnte Klangkulisse verschiebt, installieren alien productions (AT) gemeinsam mit dem Tonmeister und Vogelstimmenexperten Martin Leitner (AT).

Aus am Geländer platzierten Lautsprechern erklingt das Flügelschlagen verschiedener Vogelarten, deren Start- und Landegeräusche, das Trippeln von Vogelbeinen auf Glas oder Metall, das Klappern von Storchen, das Hämmern von Spechten und hie und da die Rufe von Vogeln, die man zwar kennt, aber an diesem Ort nicht vermuten wurde. „Großes Kino“ an der Schwelle der Wahrnehmung, Irritation und Geheimnis zugleich. Bewusst wird auch, welche Klänge uns sonst leicht und unbemerkt verloren gehen. Die Tribüne als Ort zum Verweilen, zum Ruhen und Lauschen ermöglicht eine Sensibilisierung auf unsere Ohren als Organe, mit denen man diese leichte Verschiebung der akustischen Umgebung sinnlich wahrnehmen kann.

http://alien.mur.at/


Thomas Macho / AT

Vogelkino

Ein Vogelkino hat sich in Vogelhäuschen am Parkdeck 13 eingenistet. Von Klassikern der Filmgeschichte bis zu einem amüsanten Youtube-Film reicht die kulturhistorische Bandbreite des von Thomas Macho kuratierten Filmprogramms. 15 kurze Film und Videoausschnitte laufen in der von Clemens Bauder und Christoph Weidinger als Siedlung gestalteten Installation aus Nistkästen.

Von Alfred Hitchcocks Die Vögel (1963), Pier Paolo Pasolinis Grosse Vögel, kleine Vögel (1966), Hall Bartletts Die Möwe Jonathan (1973), Peter Greenaways Ein Z und zwei Nullen (1985) bis zu Emir Kusturicas Arizona

Dream (1992) oder Jim Jarmuschs Ghost Dog (1999): Hier tauchen Enten, Raben, Krähen, Papageien, Tauben, Falken und Spatzen, aber auch ein Schwan auf. Und der Komponist Olivier Messiaen demonstriert im Dokumentarfilm La Liturgie de Cristal (2002), wie er Vogelgesange in Notenschrift überträgt.


Thiago Vaz / BR

Metamorphose, 2015

Der brasilianische Street-Art-Künstler Thiago Vaz hat zwei überdimensionale, farbenfrohe Flügel auf die Außenmauer des Passage Linz gesprüht. Wer sich davor an der richtigen Stelle postiert, verwandelt sich in ein poetisches geflügeltes Wesen.

Vaz ist mit seinen Arbeiten und Workshops im öffentlichen Raum ein aktiver Gestalter seiner Umgebung und setzt mit Strich und Farbe pointierte Statements. Der Künstler ist im sozialen Schmelztiegel Sao Paulo zuhause, was auch seine Sensibilität für Identitätsfragen und die Verbindungen zwischen lokaler und globaler Kultur erklärt. Wahrend er in der Außenstelle im ÖAMTC die Montagehalle mit einer großflächigen Wandarbeit zum urbanen Lebensraum der Vogel ausstattet, hat er hier am Parkdeck 13 eine subtile Intervention geschaffen. Wie so oft beim Höhenrausch müssen die BesucherInnen selbst aktiv werden, um die Arbeiten wirklich erfahren zu können: Das Kunstwerk vervollständigt sich nur dann, wenn Sie selbst in die Rolle eines mythischen Vogels oder Engels schlupfen, diese Metamorphose fotografisch festhalten und imaginär „davonfliegen“.

http://thiagovaz.com.br/blog


ORF musikprotokoll im steirischen herbst

Let´s Merry-Go-Round, 2015

Zusätzlich zu den elf Kompositionen für ein Kettenkarussell, die im Rahmen des steirischen herbst 2014 beim ORF musikprotokoll uraufgeführt wurden, verfassten vier ober österreichische KomponistInnen – allesamt GewinnerInnen des Talent-Förderpreises des Landes Oberosterreich für Musik – eigens für den Höhenrausch neue Werke.

Christoph Herndler (OÖ), Josef Novotny (OÖ), Irene Kepl (OÖ), Werner Puntigam (OÖ) sowie Werken aus dem ORF musikprotokoll 2014 von Assimilation Process (DE), Maxime Denuc (BE), Electric Indigo & Pia Palme (AT), Callum Higgins (GB), Lars Kynde & Jeroen Uyttendaele (NL), Mental Overdrive (NO), Noid (AT), Mārtiņš Roķis (LV), Pierce Warnecke (US/DE), Zenial (PL), dazu einen historischen Bonus Ride von James Tenney (US).

Kettenflieger

Ein Kettenkarussell spielt Musik für Körper in Bewegung und schafft damit ein einzigartiges Hörerlebnis.

Beim Höhenrausch wird aus einer der ältesten Jahrmarktsattraktionen ein außergewöhnliches künstlerisches Objekt und musikalisches Erlebnis. Wie beim traditionellen Karussell wird man hier dank der Fliehkraft immer hoher und hoher gewirbelt und bekommt fast das Gefühl, bis in den Himmel zu fliegen. Neben dem lustvollen körperlichen Erlebnis bietet dieser besondere Kettenflieger zusätzlich eine ganz besondere Hörerfahrung: Im (schwindelerregenden) Flug lauscht man Musikstucken, die eigens für ein sich drehendes, durch die Luft sausendes Publikum komponiert wurden.

http://musikprotokoll.orf.at/de/lets-merry-go-round


Kiosque

Auf Parkdeck 14 arrangierten die Protagonisten des Kiosque bereits bestehende Objekte neu oder bauten diese weiter. Dieser Umgang mit dem Vorhandenen deckt sich mit zwei wichtigen Zielen des Höhenrausch: dem Recyceln von bereits verwendeten Materialien, wie etwa von Stegelementen, und der künstlerischen Gestaltung von Gebrauchszonen. Mit großzügigen Holzplattformen und grünen Inseln entstand rund um das Gastro-Vehikel - ein umgebauter Steyr-City-Bus mit ausziehbarem Heck - eine neue Aufenthaltszone für die BesucherInnen. An der Gastrostation ist auch eine Edition von Designprodukten erhältlich, die junge DesignerInnen aus Oberösterreich speziell für den Höhenrausch entwerfen und produzieren.

www.kiosque.at


Vogelhäuschen auf Sommerfrische

Etwa 150 Vogelhäuschen aus ganz Oberösterreich vereinen sich auf dem Höhenrausch-Parcours zu einem „architektonischen Panorama“.

Das klassische Vogelhäuschen zahlt zum fixen Bestandteil privater Außenraume. Die Bandbreite der Formen ist gros, sie reicht vom Serienprodukt aus dem Baumarkt bis hin zu individuell gestalteten Schmuckhäuschen. Aufgrund ihrer häuslichen Darstellung in Modellgroße spiegeln sie auch heimische Architekturvorstellungen wider. Gemeinsam ist allen, dass ihnen eine persönliche Geschichte anhaftet. Für den Höhenrausch wurde mit der Kronen Zeitung ein Aufruf gestartet, um private Vogelhäuser für die Ausstellungsdauer auf dem Dach des Passage Linz zu präsentieren. In der seriellen Anordnung auf dem Dachrundweg erscheinen die ansonsten so vereinzelten Vogelhäuser in einem neuen Licht: Sie werden zu Ausstellungsstucken, die wir vergleichend betrachten können.


Vogelturm

Vögel haben auch den Stadtraum erobert: Neben dem Haussperling sind auch typische Gartenvögel wie die Kohlmeise und der Hausrotschwanz, aber auch die Rabenkrähe und der Mauersegler, ja, sogar der Turm- und der Wanderfalke in der Stadt heimisch geworden. Gemeinsam mit dem Biologiezentrum wurden acht Infostationen über „Stadtvögel“ für den Keine Sorgen Turm ausgearbeitet.

Nach neueren Befunden der Stadtökologie leben in großen Städten mehr Vögel als in der umgebenden Agrarlandschaft. Mit etwas mehr als 100 Brutvogelarten auf 100 km2 ist Linz ein an Vogelarten überdurchschnittlich reiches Gebiet. Zurückzuführen ist das auf den breiten Grüngürtel, die Parks und Wasserflachen samt Traun-Donau-Auen. Die besonders artenarmen Flächen innerhalb von Linz befinden sich interessanterweise nicht in den dicht verbauten Stadtvierteln, sondern in den Intensiv-Agrargebieten im Suden von Linz bzw. im Bereich Verschiebebahnhof / voestalpine.


Uncage The Birds

Eine Kooperation von Radio Österreich 1, dem ORF musikprotokoll im steirischen herbst und dem OÖ Kulturquartier.

Ob einzeln oder im Schwarm: Zwitschernd kamen Vögel zum Ö1 Birds‘ Song Contest geflogen. Zum Höhenrausch 2015 übersiedelt die bunte Vogelschar auf den Keine Sorgen Turm. Neue Vöglein können laufend und über die Dauer der Ausstellung weiter hinzugefügt werden!

Dort oben warten die virtuellen Vögel auf BesucherInnen, die ihnen per Knopfdruck den Weg in die akustische Freiheit ermöglichen. Wer den Turm erklimmt, kann eine Vogelschar hoch über Linz fliegen und erklingen lassen. Der Titel bezieht sich auf den „Godfather of Listening“ John Cage, der sein bahnbrechendes Buch Pour Les Oiseaux (Für die Vögel) betitelt hat. Es war ein Wortspiel mit der semantischen Bedeutung seines eigenen Namens, mit dem Käfig – also „Uncage the Birds!“. Der Radiosender lud seine Hörerinnen und Hörer ein, mit eingesandten Vogelstimmen aller Arten (aus Anlass des in Österreich ausgetragenen Eurovision Song Contests) teilzunehmen am „O1 Birds‘ Song Contest – Douze Points pour les Oiseaux“. Bis zur Präsentation in der Sendung „le week-end“ wurde via O1-Webseite gesammelt und gevotet.

http://www.uncagethebirds.mur.at/


Springen über den Dächern von Linz

Der Traum vom Fliegen und der Wunsch, es dem Vogel gleichzutun, begleiten uns seit Anbeginn der Menschheit. Zahlreiche Erfindungen zeugen von dieser Sehnsucht nach Schwerelosigkeit. Das Bungee-Trampolin reiht sich in diese Versuchsabfolge ein: Es besteht aus einer klappbaren Aluminiumkonstruktion, an der zwei Expander-Seile befestigt sind, die einen Sprung in bis zu acht Meter Höhe ermöglichen.
Alleine und exponiert am Dach des Passage-Linz stehend und in den Ausstellungskontext des Höhenrausch verschoben, wird aus dem Sportgerät ein interaktives Kunstobjekt. Die vertikale Bewegung der BesucherInnen – eigentümlich verlangsamt durch die führenden Seile – wandelt sich zu einer räumlichen Choreografie.


Kuckucksstube im Glockenturm

Drei Kuckucksuhren ersetzen die fehlenden Glocken im Kirchturm und sorgen für das Zeitgefühl beim Höhenrausch.

Am 2. Oktober 1916 mussten die beiden Glocken der Ursulinenkirche für Kriegszwecke abgeliefert werden, seitdem ist der Turm verstummt. Knapp hundert Jahre später ertönt nun ein anderes akustisches Zeitsignal. Die neuen Turmbewohner befinden sich hier in einer vollkommen gegensätzlichen Umgebung zu ihrem „natürlichen Lebensraum“, nämlich ungeschützt in den Ecken des zugigen Kirchturms, statt gut behütet in der traditionellen Stube. Nichtsdestotrotz: bei jedem Schlag zur halben Stunde fliegen die Türen ihrer Behausungen auf, und die mechanischen Vögel lassen ihren charakteristischen Ruf erklingen.


Mark Dion / US

WUNDERKAMMER OÖ

Der bekannte US-amerikanische Künstler Mark Dion ist seit mehr als zwanzig Jahren ein leidenschaftlicher Sammler und untersucht in seinen oft an naturkundliche Schauraume erinnernden Installationen das Spannungsfeld zwischen Natur, Mensch und Wissenschaft. Dion hinterfragt ironisch musealisierte wissenschaftliche Kategorisierungen, aber auch unsere Beziehung zur Natur mit den Mitteln der Kunst. Eigens in der neu ausgestatteten Wunderkammer Oberösterreich präsentiert er eine außergewöhnliche Sammlung zu Allem, was fliegt: Neben einer begehbaren Voliere mit einer Bibliothek für die dort lebenden Vogel und einem fluoreszierenden Wandgemälde mit Bewohnern der Luftwelt versammelt er mehr als 350 Objekte aus oberösterreichischen Museen, privaten Sammlungen, Antiquariaten, Flohmarkten und Trödlerladen in originalen Wunderkammerschranken und erweitert den Bestand laufend mit einem BesucherInnen-Projekt.


Mark Dion / US

Bibliothek für die Vögel in Linz, 2015

In einer Vogelvoliere stellt Mark Dion nicht nur eine Bibliothek für Vögel zusammen, sondern thematisiert mit seiner begehbaren Installation auch das Verhältnis von Mensch und Tier. Die Vögel und die BesucherInnen sind aufgefordert, sich Wissen für die Herausforderungen ihrer gemeinsamen Lebensrealität anzueignen.

Mark Dion geht es in seiner jahrzehntelangen künstlerischen Auseinandersetzung um einen kritischen Zugang zum Thema Natur. Getrieben von Wissensdurst und Entdeckungslust, erkunden, vermessen und sammeln Menschen Naturphänomene. Gleichzeitig werden Tiere und der gemeinsame Lebensraum ausgebeutet. Neben ornithologischen und naturkundlichen Büchern stellt er den etwa 20 Zebra- und Reisfinken in einer überdimensionalen Rundvoliere „nützliche“ Informationen (wie Reiseführer oder Literatur über Katzen und die Verschmutzung der Meere) zur Verfugung. Neben den literarischen Tipps finden sich als augenzwinkernde Warnung die mitunter „gefährliche“ Gerätschaften des Menschen wie Waffen und Fallen. Ironisch regt Mark Dion damit einen Perspektivenwechsel an, der umso deutlicher wird, wenn man die „Vogelwelt“ der Voliere betritt und damit selbst zum Ausstellungsobjekt wird.


Mark Dion / US

Das Reich der Lüfte, 2015

Eine Ahnung von der Fülle und Vielfalt existierender (oder erdachter) „Flugkörper“ vermitteln die in Schwarzlicht getauchten Silhouetten, die sich schemenhaft vom dunklen Untergrund der Wände abheben.
Reale, natürliche, historische, mythische und technische fliegende Wesen und Objekte sind hier in ihren realen Größenverhältnissen nebeneinander versammelt. Dieses dicht besiedelte Reich der Lüfte reicht quer durch alle Kategorien: von Tieren, wie der kleinen asiatischen Flughornisse bis zum riesigen Flugsaurier, über den imaginären Engel, diverse Flugobjekte wie Pfeil und Luftballon bis hin zu Fluggeraten wie dem von Leonardo Da Vinci.


Mark Dion / US

Luftwelt, 2015

Etwa 350 Objekte aus den Beständen des OÖ Landesmuseum, Lentos, Nordico und aus diversen Privatsammlungen werden in den originalen Schränken der 1780 eingerichteten und heute noch bestehenden Wunderkammer des Stifts Kremsmünster zu einer Luftwelt vereint.

Die ursprüngliche Faszination, das „Wundern“ und Staunen über die Welt, zeigt sich in Wunderkammern und Kuriositätenkabinetten des 16. und 17. Jahrhunderts. Mark Dion schafft künstlerische Arbeiten über Ordnungs- und Sammlungssysteme und ist fasziniert von diesen magischen, später durch die wissenschaftliche Ausrichtung des Museums abgelösten Sammlungen. In diesen Keimzellen der Wissenschaften waren die Grenzen zwischen natürlich und künstlich noch unscharf und produktiv, die strenge wissenschaftliche Ordnung und Trennung im heutigen Sinn noch nicht vollzogen. Bei der Realisierung seiner Projekte bedient sich Dion Methoden und Verfahren aus der Wissenschaft und Archäologie: Er sammelt, archiviert, ordnet und vergleicht, schafft aber mit der Präsentation wieder eine unmittelbare Erfahrung. Die ungewöhnliche Zusammenstellung von Fundstucken und Präparaten zeugt von der über Jahrhunderte reichenden Anziehungskraft des Fliegens auf die menschliche Fantasie und den Erfindungsgeist.


Mark Dion / US

Alles was fliegt

In dem von Mark Dion konzipierten Projekt Alles was fliegt werden private Leihgaben in speziellen Vitrinen präsentiert.

In vielen Haushalten gibt es Gegenstande, die mit dem Aspekt „Fliege“ zu tun haben und von ihren BesitzerInnen aus unterschiedlichen Motiven aufgehoben werden. Derartige Objekte werden wahrend des Höhenrausch gesammelt und, mit einem Steckbrief versehen, ausgestellt - vorausgesetzt, sie passen in eine Schuhschachtel. Die Gegenstände können sowohl aus der Natur stammen (ausgestopfte Vögel, spezielle Federn, Schmetterlinge) als auch mechanische Fluggeräte darstellen (Flugzeugmodelle aller Art, aber auch Sportgeräte wie Frisbees, Pfeile, Federbälle). Interessant wird diese Sammlung verschiedenster Objekte durch ihre jeweilige Geschichte: Warum werden diese Dinge aufbewahrt? Welchen Raum und Stellenwert haben sie bei den LeihgeberInnen?


Annika Kahrs / DE

Zu den Vögeln spielen

Annika Kahrs Videoarbeit Playing to the Birds zeigt einen Pianisten, der Franz Liszts Klavierstück „Legende Nr. 1. Die Vogelpredigt des Franz von Assisi“ in einem feierlichen Konzertsaal spielt. Das Publikum besteht jedoch nicht aus Menschen, sondern aus verschiedenen Singvögeln und Papageien.

Liszt gilt als Wegbereiter der „Sinfonischen Dichtung“, bei der Musik zum erzählerischen Medium wird und szenische Momente beschreibt. Mit seiner Komposition aus dem Jahr 1860 übersetzt er die Predigt des Franz von Assisi in die universelle Sprache der Musik, mit Trillern und hohen Tonen lasst er einen ganzen Vogelschwarm am Klavier erklingen. Die ursprünglichen Adressaten der Predigt, die Vogel, werden nun in Playing to the Birds zum Publikum des Musikstucks.

In einem Setting, das an die starren Hörkonventionen der bürgerlichen Salonmusik erinnert, wurden sie in Käfigen im Saal platziert, um der frei durch den Raum flottierenden Klaviermusik bzw. der menschlichen Interpretation ihrer Sprache zu lauschen. Annika Kahrs beschäftigt sich mit dem Unterlaufen von Wahrnehmungskonventionen und verknüpft in ihren konzeptuellen Video- und Performancearbeiten oft narrative mit akustischen Elementen.


Abflug mit den U-Hof-Galerien

Die Kunstvereine im Ursulinenhof und die KUNSTSAMMLUNG gestalten den „Abflug“ vom Höhenrausch als vielschichtigen Parcours: Mit thematisch passenden Schaufenstern, gefalteten Fotografien, einer ungewöhnlichen Gangausstellung und einem Galerieraum als künstlerisches Vogelhaus.
Ungewöhnlich, fern von klassischen Ausstellungen, entfaltet sich das breite künstlerische Spektrum dieser ganzjährig engagiert arbeitenden Institutionen mit ihren zahlreichen (ehrenamtlichen) Mitgliedern. Nach dem Brückenschlag vom ehemaligen Schulgebäude des OK in das einstige Klostergebäude der Ursulinen empfängt die KUNSTSAMMLUNG des Landes Oberosterreich: Hier gibt es Kunst zum Entlehnen!

Daher stellt sie ihre Tätigkeit als Artothek mit wechselnden Kunstwerken aus der Sammlung zum Thema Vogel in ihr Schaufenster. Hunderte zu Origami-Vogeln gefaltete Wolkenfotografien der Fotografischen Gesellschaft – 1100 auf der Suche nach dem Gluck – hangen von der Decke und geleiten die BesucherInnen durch das Stiegenhaus zum Ausgang. Im Erdgeschoss begrüßt Sie die Kunstbaustelle der BV OO – Vereinigung Kunstschaffender Oberösterreichs: Mitglieder und ihre Freunde waren aufgefordert, ein Vogelkunstwerk in einer gemeinsamen Aktion im Gang zu montieren. Uber Augenhohe war alles erlaubt. Die Verwandlung des Oberösterreichischen Kunstvereins in ein Aviarium – ein Vogelhaus – war das Leitmotiv für eine offene Ausschreibung. Die ungewöhnliche Mitgliederpräsentation wird in Folge von einer thematisch dazu entwickelten Sommer-Ausstellung in den Schaufenstern zum Innenhof abgelöst.


Julius von Bismark / DE
Julian Charriere / CH

Einige Tauben sind gleicher als andere, 2012

Julius von Bismarck und Julian Charriere entwickelten einen „Tauben-Apparatus“, der wie eine Falle funktioniert. Die Tiere wurden darin mit ungiftigen Farben besprüht und anschließend frei gelassen, um sich wieder unter ihre Artgenossen zu mischen.

Als „Ratten der Lüfte“ werden Tauben aufgrund ihrer unkontrollierten Vermehrung und ihres Auftretens in Massen bezeichnet, und nicht zuletzt ähneln sie einander in ihrer grauen Farbe. Durch die optische Veränderung wandelt sich die Wahrnehmung der Tauben im öffentlichen Raum: In ihrer Farbigkeit sticht nun die einzelne Taube aus der Masse heraus. Sowohl Julius von Bismarck als auch Julian Charriere beschäftigen sich in ihrem künstlerischen Werk mit der Wahrnehmung und Manipulation des urbanen Raums und der Natur. Der „Tauben-Apparatus“ wurde jeweils für eine Woche auf einem Dach in Venedig, Kopenhagen und Berlin installiert.

http://juliusvonbismarck.com/
http://julian-charriere.net/

Location: Power Tower in der Energie AG


Jakob Kolding / DK

Der Baum, der Schädel und der Rabe, 2014 / die Eule, 2014 / ...

Jakob Kolding verbindet in seinen Collagen verschiedene kulturgeschichtliche und popkulturelle Versatzstücke zu neuen Szenerien, die zwischen Theaterbühnenbild, Vergnügungspark und Diorama angesiedelt sind. Skulpturen aus bedruckten Holzplatten, aber auch Papierschnitte fügen sich in eine Gesamtkomposition und ästhetische Untersuchung zum Thema Vögel.

Dafür scannt er Zeitungs-, Bucher- und Zeitschriftenausschnitte ein und erzielt dadurch jene körnige Textur, die in seinen Werken sichtbar bleibt. Wenn man sich zwischen den Figuren bewegt, entsteht eine Welt, die permanent Verschiebungen und Veränderungen unterworfen ist. Dieser Effekt zeigt sich auch im Spiel mit den Maßstäben, das die normale Wahrnehmung der dargestellten Bilder buchstäblich in Frage stellt. Zudem wird der simple Kulissenaufbau sichtbar und damit der schmale Grat zwischen Realität und Imagination offenbart. Die verwendeten Motive erscheinen zunächst wie ein Symbol mit einer bestimmten Aussage, bei genauerer Betrachtung ermöglichen sie jedoch unterschiedlichste Lesarten, so wie Eule, Rabe und Adler in Mythologie, Literatur, Geschichte oder Politik immer unterschiedliche Deutungen erfuhren.

www.martinjanda.at

Location: Power Tower in der Energie AG


José Antonio Martínez / MX

Ein jeder Engel ist schrecklich, 2010 / 2015

José Antonio Martínez‘ Arbeiten kreisen immer wieder um das Thema der Vergänglichkeit. Ein jeder Engel ist schrecklich lautet der Titel des Abbildes eines toten männlichen Mönchswaldsänger-Vogels. Der Titel der fotografischen Auseinandersetzung von Jose Antonio Martinez mit der Faszination und dem Schrecken des Todes stammt aus den Duineser Elegien des Dichters Rainer Maria Rilke. Beide, Martinez und Rilke, bedienen Gegenbilder, um auf die Widersprüchlichkeit von Leben und Tod hinzuweisen. Der mexikanische Künstler bannt den engelsgleichen Vogel auf eine Fotografie, ein Medium, das Dagewesenes auf ewig bewahrt. Die Ästhetik des Scans, sein Reichtum an Struktur und Farbe, erzeugt einen visuellen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann – das Abbild des toten Vogels zeigt ihn in bestechender Schönheit.

http://www.joseantoniophoto.com

Location: Power Tower in der Energie AG


Claire Morgan / IR

Die Tränen eines Clowns, 2015

Claire Morgans melancholische Rauminstallationen erzählen von Natur und Vergänglichkeit. In ihrer poetischen Inszenierung verbirgt sie einen Papageientaucher in einer dunklen Wolke aus kleinen Folienschnipseln.

Freischwebend im Raum bekommt die schützende Hülle die Anmutung eines Kometen, der im Moment des Sturzflugs zu verharren scheint. Es entsteht der Eindruck einer für alle Zeit festgefrorenen Bewegung – eines poetischen Moments, der kraftvoll, dynamisch und zugleich auch sehr fragil ist.

www.claire-morgan.co.uk

Location: Power Tower in der Energie AG


Stefan Träger / DE

Vergoldeter Hahn, 2012 - 2015

GALLO DORATO versteht sich als ein in Bronze gegossenes Denkmal, das an das Schicksal männlicher Hühnerküken in der industriellen Lebensmittelproduktion erinnert.

Ihr Leben außerhalb der Eierschale dauert nur wenige Momente, denn für sie gibt es keine rentable Verwendung. Stefan Träger versucht die filigrane, mit Lebenswillen durchdrungene Erscheinung der toten Küken zu bewahren und ihnen in Form eines Alltagsgegenstandes einen Platz in der Welt zurückzugeben.

Für die Anfertigung der Objekte erlernte Träger die alte „Kremationsgusstechnik“. Die ersten Unikate im wertvollen Bildhauer-Material, Bronze, entstanden noch im Hinterhof der Universität der Künste Berlin. Auf einer eigens für die Energie AG angefertigten Möbel-Skulptur präsentieren sich die Beschlage, Korken, Deckel, Ausgießer und Lampen der Serie.

http://www.gallodorato.com/

Location: Power Tower in der Energie AG


Thiago Vaz / BR

Adaption, 2015

Vögel sind in die große Prüfhalle des ÖAMTC eingezogen. Gesprühte Graffiti-Malereien überlagern sich mit Fundstücken aus der Natur, mit Ästen, aber auch mit Verkehrszeichen und Straßenlaternen.

Auf einer Fläche von über 500 Quadratmetern schafft der brasilianische Künstler Thiago Vaz eine große Wandarbeit eigens für den Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touringclub. Der Titel Adaptation verweist auf unterschiedliche Aneignungen: Tiere eignen sich den Stadtraum an, Motive aus dem Außenraum werden für den Innenraum adaptiert,und nicht zuletzt ist in Linz eine Adaption seiner Arbeit für das Museum Afro Brazil in Sao Paulo zu sehen. Die in der Tradition der „Street Art“ geschaffene Wandarbeit ist eine Einladung, dem Verhalten von Vogeln in unserem gemeinsamen Lebensraum größere Beachtung zu schenken. KundInnen und MitarbeiterInnen, Technik und Autos kommen in der von Riepl Riepl Architekten gebauten, Licht durchfluteten Shedhalle nun auch in Berührung mit Kunst.

http://thiagovaz.com.br/blog

Location: ÖAMTC Landeszentrale OÖ