Tiefenrausch - OK | Museum der Unterwelten


OK | Museum der Unterwelten

Unterwelten gibt es viele und jede Tiefe braucht ein Zentrum. Ausgangspunkt von Tiefenrausch ist das "Museum der Unterwelten" im OK, das aus mehreren Teilen besteht. Eine kulturhistorische Ausstellung dokumentiert die Faszinationsgeschichte allem Unterweltlichen gegenüber, eine künstlerische Audio-Installation führt durch die verschiedenen Linzer Tiefen und Untiefen, und ein weiteres Kunstprojekt zeigt einen Film aus Found-Footage-Material, gewidmet den populären Mythen der Unterwelt im Mainstream-Kino. Schüler und Schülerinnen zeigen Gegenstände als den "Schlüssel" zu ihrer persönlichen Unterwelt.

FRANZ ANTON OBOJES

Innere Kerker und äußere Panzerungen, 2008

Wandmalerei

Ausgehend von einem architektonischen Rahmen, der sich auf Piranesis Kerkerzeichnungen bezieht, führt die Wandmalerei von Franz Anton Obojes im Stiegenabgang des OK in die Tiefe. Die Verwerfungen unserer Seelenwelt sind ebenso Thema wie Orte und Elemente, die für Untergrund und Unterwelt stehen. Entsprechend Obojes Ansatz, aus seinem umfangreichen Archiv, unterschiedliche Bildvorlagen collagenartig zu verbinden, fügt sich das Behandlungszimmer des Psychoanalytikers, der Bunker und ein Bombeneinschlag mit Bildwelten des Kinos zu einer Repräsentation von Unterwelt und unserer eigenen Abgründe zusammen.

PETER HAUENSCHILD / GEORG RITTER

Gold, 2000

Zeichnung

Hunderte Männer tragen händisch einen ganzen Berg ab und landen schlussendlich in einer tiefen Grube - geschürft wird nach Gold - ein Rausch in der Tiefe. Claims werden abgesteckt, verkauft und in rechteckigen Flächen abgegraben. Der dabei entstandene Aushub wird in Säcke gefüllt und von Trägern über schmale Stege und Leitern aus der Grube geschafft. An den Waschstellen wird das Erdreich gewaschen und das edle Material ausgesiebt. Heftige Regenfälle setzen das Loch immer wieder unter Wasser, Pumpen und Schläuche liegen auf der schweren nassen Erde. In der Tiefe suchen Menschen von Schlamm bedeckt und verkrustet nach Glück und Existenz - ein Schauspiel der Begierde.

PETER FISCHLI / DAVID WEISS

o.T. (Kanalvideo), 1992

Video
Courtesy: Galerie Sprüth/Maegers, Köln

Das Schweizer Künstlerduo Fischli & Weiss ist Meister darin, in den Banalitäten des Alltags unseren Sehnsüchten und Projektionen nachzuspüren. Für ihr "Kanalvideo" greifen sie auf Material des Kanalüberwachungsdienstes der Stadt Zürich zurück, das von einer Kamera im unterirdischen Rohrsystem aufgenommen wurde. Die schnelle Abfolge der verschiedenen Farben und Helligkeiten lässt einen hypnotischen Sog entstehen, die die Tunnelbilder in eine malerische Unterwelt verwandeln.

CHRISTOPH DRAEGER / HEIDRUN HOLZFEIND

Tales from the Underworld, 2008

zweiteilige Videoinstallation

In einem kinoartigen Display erwartet uns die Found-Footage-Arbeit zu Unterwelten im Hollywood-Film von Christoph Draeger und Heidrun Holzfeind. Anhand von Szenen aus ca. 200 Filmen- von Murnaus Nosferatu über Barbarella bis hin zu South Park - wird die Unterwelt im (bewusstseins-) erweiterten Sinn untersucht. Ein verschlungener Horrortrip durch Höhlen, Abgründe, endlose Gänge ins Innerste des Unterbewusstseins, wo urzeitliche Ängste brodeln. Eine psychedelischer Albtraum durch die Filmgeschichte, ein Rollercoaster Ride, wo es stetig immer weiter abwärts geht, Endziel: die Hölle.

ALIEN PRODUCTIONS
(MARTIN BREINDL / NORBERT MATH / ANDREA SODOMKA)

Tiefenklang I es ist viel zutage gekommen, 2008

Elektromagnetische Klanginstallation

Künstlerische Mitarbeit: Daniel Lercher
Interviews: Isabelle Muhr
Research: Georg Nussbaumer

Das Labyrinth der Linzer Limoni- und Aktienkeller und die Erzählung darüber sind Ausgangspunkt der Arbeit von alien productions. Menschen mit einer Beziehung zu dieser Unterwelt als konkreten Ort führen über ihn Rede. Ihre Stimmen mischen sich an gewissen Punkten in der verwirrenden Anordnung der Installation in den Äther. Mit dem Radio als Empfänger und Orientierung, haben die Erzählfragmente eine indifferente Präsenz auf dem Weg durch den schräggestellten Tunnel und den strahlend weißen Raum mit seinen ungewöhnlichen Perspektiven. Erst am Ende, an der Rohrsprechanlage, sind die Stimmen zu identifizieren.

MUSEUM DER UNTERWELT

Eine kulturhistorische Ausstellung von Brigitte Felderer

Wer das "Museum der Unterwelt" betritt, findet sich wieder vor einem Wandobjekt von Markus Pillhofer, der auch die anderen Räume des "Museums" gestaltet hat. Der schiefe und geneigte "Gegen-Stand" schließt einen langen und schmalen Gang ab und eröffnet zugleich den Zugang in die ausgestellten Unterwelten. Das "Museum der Unterwelt" geht der grundlegenden Bedeutung von Imaginationsräumen nach, die zwar nahe liegen und doch nicht so ohne weiteres zugänglich sind. Die unterschiedlichen Funde dieser Faszinationsgeschichte dokumentieren die Bedeutung der Unterwelt als einen zentralen Orientierungspunkt unseres Weltverstehens.

Kuratorin / Curator: Brigitte Felderer
Ausstellungsgestaltung / Exhibition design: Markus Pillhofer
Wissenschaftliche Recherche, Leihverkehr / Research, processing of loaned objects: Nora Fischer
Wissenschaftliche Mitarbeit / Research assistant: Elke Sodin

LÄUTERUNG: "Selbstlos im Lavabad"

1. Raum

Man sieht auf den ersten Blick noch nichts, hört aber eine weibliche Stimme, die laut ruft: "I am a worm and you, you are a flower. You would have done everything better. Excuse me. Help me." Der im Boden versenkte Bildschirm ist schnell gefunden, zu sehen ist die Künstlerin Pipilotti Rist. Sie streckt dem Publikum verzweifelt ihre Arme entgegen, ganz wie auf alten Darstellungen der Sünder im Fegefeuer. Die nach oben gerichteten Arme dieser Bilder bedeuteten, dass – nach erfolgter Läuterung – noch Aussicht aufs Paradies besteht.

Pipilotti Rist

HÖLLENBILDER

2. Raum

Unterwelten treten uns längst nicht mehr als christliche Höllen entgegen. Mitten in diesem Raum des Museums findet sich eine lange schmale Vitrine, die historische Krampuskarten zeigt. Die Teufel, die uns hier so frech und lasziv anspringen, personifizieren zugleich ein Panoptikum unausgesprochener Wünsche, Fantasien, Ängste und Schuldgefühle, die direkt aus der Hölle zu kommen scheinen. Die Hölle ist mit der Aufklärung nicht mehr nur eine christliche Schreckensfantasie, sondern hat sich auch in den mythologischen Innenwelten des eines oder anderen Rationalisten festgesetzt.

Krampuskarte, um 1920, Verlag: EAS
Sammlung Brodträger

ABSTIEG: Wunderstufen und Eisenblüten

3. Raum

Die Bergbaukunde, das Verständnis der Erdgeschichte, neue Methoden des Abbaus und der Verarbeitung von Erzen sind Metapher wie Inhalt eines Prozesses der Aufklärung. Doch neben den rationalen Einstellungen zur Wirtschaftlichkeit und zu einer vernünftigen Organisation des Bergbaus und der Erzgewinnung überlebten magische und mythologische Formen des Umgangs mit der Natur. Die ausgestellte "Wunderstufe" aus dem steirischen Erzberg, ihre verschiedenen Darstellungen, die Legende um ihre Auffindung 1669, ihre gleichsam magische Bedeutung für die Geschichte des Eisenerzer Abbaus, belegen diese Ambivalenz.

PLAN THE IMPOSSIBLE

4. Raum

Das Bergwerk lässt sich in der Symbolgeschichte menschlicher Machtergreifung als "umgekehrter Turm von Babel" beschreiben. Ein solches Bauwerk der Weltbeherrschung plante der holländische Architekt und Modernist Henricus Theodorus Wijdefeld, als er 1941 einen unterirdischen Turm entwarf, der bis zum Erdmittelpunkt reichen sollte und um den sich alle wichtigen Wissenschaftler versammeln würden, um das Erdinnere zu erforschen. Der Künstler Florian Bettel zeigt in seinem Projekt zu einem unterirdischen Bestattungssystem aus dem Jahre 1874, dass auch im technikfaszinierten 19. Jahrhundert modernste Technologie dazu eingesetzt wird, die alte Ordnung zwischen Jenseitsraum und irdischem Lebensraum zu erhalten.

AUSSTIEG: " Der Schacht von Babel"

5. Raum

Der Künstler Hans Schabus gräbt in seinem Atelier ein Bergwerk in den Erdboden. Das Material, das er dabei "abbaut", füllt das Atelier, und, um sich im Atelier notwendigen Raum zu schaffen, schließt der Künstler den Schacht wieder. Die herausgegrabene Erde entspricht dem Raumvolumen des Ateliers. Der scheinbare Fluchttunnel, an dem der Künstler unter sorgfältigem Ausschluss der Öffentlichkeit gegraben hat, füllt sich. Es gibt kein Entkommen aus dem Atelier. Der Vorgang des In-die-Tiefe-Grabens ist eine durchgängige Metapher für die Suche nach Erkenntnis in der europäischen Geistesgeschichte – zum einen. Zum anderen steht der Rückzug in das Erdinnere für eine Gegenwelt, eine Eigengesetzlichkeit, die sich über anerkannte Realitätsbedingungen hinwegsetzt.

SCHLÜSSEL ZU MEINER UNTERWELT

Im OK werden nicht nur künstlerische und kulturhistorische Sichtweisen auf Unterwelten gezeigt, sondern es gibt auch eine Annäherung auf individueller Ebene. Schülerinnen und Schüler stellen "Leihgaben" zur Verfügung, die aus ihrer eigenen Unterwelt stammen. Es kann sich dabei um einen realen Ort, aber auch um eine vorgestellte, imaginäre Unterwelt handeln. Die Leihgaben sind der persönliche "Schlüssel" jedes Schülers und jeder Schülerin zu dieser ihrer Unterwelt. An die Gegenstände und Objekte werden. Beipackzettel gehängt, auf denen der Zusammenhang erklärt wird. Wie in einem Archiv werden die Gegenstände im Eingangsbereich des Museums der Unterwelten in Regalsystemen präsentiert und von der Decke abgehängt.

Öffnungszeiten: Mo - Do 10.00 - 22.00, Fr 10.00 - 24.00, Sa 10.00 - 24.00, So 10.00 - 22.00
Allgemeine Führung jeweils Fr 19.00, So 15.00

Institution
Kontaktdaten
Angaben zur gewünschten Führung
Informationen über die Gruppe

erforderlich bei Schulgruppen.